Engagement in Umweltorganisationen.
Modernisierungstendenzen ehrenamtlicher Tätigkeiten
vor dem Hintergrund einer Erwerbsarbeit im Wandel
 
        Dipl.-Soz. Ulrike Schumacher
        Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung - Querschnittsgruppe "Arbeit & Ökologie"
       
Schumacher (at) medea.wz-berlin.de

Finanzierung und Laufzeit

Doktorandinnenprogramm des WZB / Januar 1998 – Dezember 2000

Zielsetzung

Ziel der Dissertation war die Erarbeitung von Typen der Verbindung zwischen Engagement und Erwerbsarbeit in unterschiedlichen Erwerbsphasen. Sie bezieht sich auf die Diskussion um die Zukunft der Arbeit, in der Modelle einer Neuverteilung von Arbeit thematisiert werden. Verschiedene Konzepte fordern die Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit und eine größere Balance zwischen den Tätigkeiten. Das hinter diesen Konzepten stehende Leitbild wurde in seiner Relevanz für die Lebenswelt untersuch: In welcher Form werden solche Verbindungen bereits praktiziert? Welche "Mischungsverhältnisse" verschiedener Tätigkeiten, z.B. von Studium und Engagement oder Erwerbstätigkeit und Engagement lassen sich erkennen?

Vorgehen / Methode

Die Umbrüche im Erwerbssystem berühren die Individuen in allen Phasen ihres Erwerbslebens. Da das spezifischen Verhältnis von Erwerbsarbeit und Engagement bislang wenig erforscht ist, hat die Untersuchung explorativen Charakter und bezieht dementsprechend ein breites Spektrum von Lebensphasen mit ein. Die Untersuchungsgruppe setzt sich aus Personen in der Ausbildung und im Ruhestand sowie aus Erwerbstätigen, Hausfrauen und Erwerbslosen zusammen. Es wurden 32 leitfadengestützte Interviews mit ehrenamtlich Aktiven in vier Berliner Umweltschutzorganisationen und –gruppen im Ost- und Westteil der Stadt durchgeführt. Das Alter der Interviewpartner reicht von 23 bis 73 Jahren, wobei Männer überdurchschnittlich vertreten sind.

Stand der Arbeiten

Die Interviewphase wurde im März 1999 abgeschlossen. Im nächsten Schritt folgt nach einer Analyse des thematischen Verlaufs in allen Interviews die vergleichende inhaltsanalytische Auswertung ausgesuchter Fälle. Ziel der Auswertung ist die Typenbildung.

Zentrale Thesen, Ergebnisse

Mit den Umbrüchen in der Erwerbsarbeit, die neue Unsicherheiten und erhöhte Anforderungen an die Menschen stellen, hat sich auch die Bedeutung des Engagements vervielfältigt. Es wird in der Regel frei gewählt, erfolgt selbstbestimmt und kann ein Ort des persönlichen und fachlichen Lernens und der Sinnstiftung sein. Da es sich beim Engagement um eine eigenständige qualifizierte Tätigkeit handeln kann, scheinen die engen Grenzen eines nur auf den ersten Arbeitsmarkt bezogenen Verständnisses von Beruflichkeit zu verschwimmen.

Es zeichnen sich die Typen "Wechselseitige Verstärkung von Erwerbsarbeit und Engagement", "Ausgleich unbefriedigender Erwerbsarbeit durch Engagement", "Engagement als Ergänzung" sowie "Engagement als Phase der Neuorientierung" ab.

Das Engagement kann eine besondere Bedeutung beim Übergang von der Ausbildung in die Berufstätigkeit und im Ruhestand haben. Hier tritt besonders das Phänomen des "aktiven Alters" in Erscheinung. Bei Erwerbstätigen kann das Engagement Erfahrungen aus der beruflichen Tätigkeit verstärken oder bei nicht erfüllten Ansprüchen an die Erwerbsarbeit kompensierend wirken. Darüber hinaus kann es als Ergänzung des Alltags ausgeführt werden, ohne daß besondere Bezüge zur beruflichen Tätigkeit erkennbar sein müssen. Phasen der Erwerbslosigkeit werden durchaus als Möglichkeit angesehen, sich verstärkt in ein Engagement einzubringen und sich neu zu orientieren, gleichzeitig richtet sich die langfristige subjektive Perspektive oftmals auf ein Beschäftigungsverhältnis im ersten oder zweiten Arbeitsmarkt.

Veröffentlichungen