Soziale Folgen von Arbeitslosigkeit
Lebensführung in der Arbeitslosigkeit

 

        Dr. Jens Luedtke
        Katholische Universität Eichstätt,
Lehrstuhl für Soziologie II
        e-Mail: jens.luedtke (at) ku-eichstaett.de
 

Finanzierung und Laufzeit

Eigenfinanziert
abgeschlossen Mai 1997

Zielsetzung

Von den Annahmen der differentiellen Arbeitslosenforschung ausgehend, wurden die Folgen der Erwerbslosigkeit für die davon betroffenen Arbeitslosen (und ihre Haushalte) sowie die vielfältigen Bewältigungsformen untersucht. Soziologisch-theoretisch erfolgte der Zugang über ein Modell, das den Lagen-, Milieu- und Lebensführungsansatz kombiniert. Clusteranalytisch wurden vier Lebensführungstypen extrahiert.

Empirisches Vorgehen / Methode

Die Untersuchung fand statt als standardisierte, schriftlich-postalische Befragung von Leistungsempfängern in vier baden-württembergischen Arbeitsamtsbezirken, die über theoretical sampling ausgewählt wurden. Die Stichprobenziehung erfolgte als systematische Zufallsauswahl (Karteiauswahl) unter den Arbeitslosenbeständen der vier Bezirke, Stand: Ende März 1996. Befragt wurden diejenigen Arbeitslosen, die sich (gem. § 75 f. SGB X) nicht explizit gegen eine Weitergabe ihrer Sozialdaten (Name und Anschrift) ausgesprochen hatten.

Einige zentrale Ergebnisse

Es bestätigt sich, dass Arbeitslosigkeit kein für alle Betroffenen identischer Stressor ist. In Abhängigkeit von (Mikro-)Milieumerkmalen reagieren die Erwerbslosen auf die veränderte soziale Lage (mit den zentralen Dimensionen: reduzierte ökonomische Ressourcen und Mehr-Zeit"). Die "Zeit" war dabei in vielfältiger Form ein wesentlicher Einflußfaktor: als arbeitslos verbrachte Zeit, als Zukunft, als Probleme im Umgang mit der Mehr-Zeit und als konkrete Formen alltäglicher Zeitverwendung. Als zentraler Faktor bei der Interpretation der eigenen Lage und den Ansätzen zu ihrer Bearbeitung im Alltag erwies sich Selbstwertgefühl: je größer es ausfiel, desto besser konnten Arbeitslose mit ihrer Situation umgehen. Weiterhin zeigte sich, dass funktionierende und ausgebaute Sozialbeziehungen und Netzwerkkontakte die Be- bzw. Verarbeitung der eigenen Lage erleichterten.

Näherungsweise wurde der Frage nachgegangen, ob sich Typen herausarbeiten ließen, die sich hinsichtlich der Zeitstrukturierung und der Handlungsroutinen unterschieden. Dies erfolgte clusteranalytisch und erbrachte vier Lebensführungstypen: den "Hauptschul-", den "Familien"-, den "Verrentungs-" und den "Postadoleszententyp". Die vergleichsweise größten Probleme mit seiner Lage, mit der Mehr-Zeit und mit den Sozialkontakten wies der "Hauptschultyp" auf, in der vergleichsweise besten Situation befand sich der "Verrentungstyp".

Veröffentlichungen