Veränderungen in den alltäglichen Lebensführungen ostdeutscher Kinder
 

        Prof. Dr. Dieter Kirchhöfer
        Universität Potsdam,  Institut f. Pädagogik
   
     dikir@aol.com
 

Finanzierung und Laufzeit

Laufzeit: 1990 -1998
dfg-finanziert: 1992 -1998

Zielsetzung

Das Projekt dokumentierte in einer qualitativen Langzeituntersuchung die Alltagsorganisation Ostberliner Kinder und suchte Veränderungen in den alltäglichen Lebensführungen von Kindern und der gesellschaftlichen Formung von Kindheit zu identifizieren. Mit Hilfe selbstprotokollierter Tagesläufe wurden dabei die Bedingungen, Gestaltungsleistungen und Muster von zehnjährigen Kindern und die Veränderungen während ihres Aufwachsens bis zum 14. Lebensjahr rekonstruiert. Dabei wurden die zeitgeschichtlichen umbruchsbedingten Veränderungen von den altersbedingten Veränderungen mit Hilfe eines Kohortenvergleichs gefiltert. Dabei ergab sich eine hohe Stabilität der biographisch erworbenen kindlichen Lebensführungen und Konsistenz der Muster, die darauf schließen läßt, daß die Lebensführungen in den Familien die konflikthaft angelegten Beziehungen zwischen Individuen und Gesellschaft noch aushielten. Die Untersuchung verweist zugleich auf Spannungsverhältnisse zwischen konstant bleibender Geregeltheit und sich erweiternder Variabilität, von erweiterter Autonomie und gesuchter Fremdbestimmung, von stabiler Kooperativität und wachsensender Individuation , von methodischer Bewußtheit und wachsender Nichtrationalität in den Lebensführungen.

Empirisches Vorgehen / Methode

Seit 1990 wurden in zwei innerstädtischen Wohnquartieren Ostberlins zehn Kinder des Geburtsjahrganges 1980 in ihren alltäglichen Lebensführungen begleitet. 1992 und 1994 wurden erneut jeweils acht 10- bzw. 8-zehnjährige Kinder in die Untersuchung einbezogen. Das Vorhaben nutzte die Methode der Tageslaufanalyse, bei der von den Kindern an 7 Tagen die täglichen Tätigkeitssequenzen (einschließlich Ort, Zeit und beteiligte Personen) protokolliert und am folgenden Tag gemeinsam mit dem Bearbeiter im Interview rekonstruiert wurden. Im Ergebnis der Untersuchung liegen Datensätze zu zwei Jahrgängen als Panel und dreier Jahrgänge als Querschnitte vor, die einen Vergleich von Jahrgängen ermöglichen, die mit verschiedenem Alter in den Umbruch eingestiegen waren. Die Untersuchungen sind in 10 Fallstudien dokumentiert.

Stand der Arbeiten

Das Projekt ist 1998 abgeschlossen worden.

Veröffentlichungen